Die Würfel sind wohl immer schon gefallen – auch im Verfassungsausschuss

Verfassungsausschuss des Bayrischen Landtags

Verfassungsausschuss des Bayrischen Landtags am 5. Juni 2014

Da ich mich – das dürfte langsam klar werden – für die grundsätzlichen Aspekte der Politik interessiere: Warum nicht einmal eine (öffentliche) Sitzung des Ausschusses für Verfassung, Recht und Parlamentsfragen besuchen? Kurz überlegt und schnell getan (Dank auch örtlicher Nähe).

Ich werde mich hüten, eine Zusammenfassung zu machen (dafür wird ja ein öffentliches Protokoll erstellt). Nur eine Beobachtung:

„Rien ne va plus“ oder „Nichts geht mehr.“ – Auffallend ist, dass an der Sitzung nicht kontrovers oder konstruktiv diskutiert wird. Es werden jeweils zwei Positionen zu den vorliegenden Antrag sind verlesen, eine von Seite des Antragsstellers, einer von der „Gegenpartei“, also z. B. von der Regierungsfraktion, falls der Antrag von der Opposition kommt bzw. umgekehrt. Nach kurzer Debatte, dann Abstimmung. Heute war es folgendermaßen: Alles, was von der Opposition kam, abgelehnt, alles was von der Regierungsfraktion kam, angenommen.

Fazit: Die eigentlichen Beratungen finden in den Fraktionssitzungen oder in den Parteien statt. Die Ausschüsse dienen dann nur noch der formalen Umsetzung der Beschlüsse. Ist das Sinn eines demokratischen Parlaments?

Den einzelnen Parlamentarier kann man keinen Vorwurf machen, denn die Spielregeln fördern ein solches Verhalten. Aber dennoch schade, dass diese polare Dynamik einsetzt, die soweit geht, dass wohl auch konstruktive Anträge der Opposition abgelehnt werden, damit nur wenig später eigene ähnliche Anträge angenommen werden können.

NB: Nochmals, ich glaube nicht, dass das von der Partei abhängig ist, und daher richtet sich meine Kritik auch nicht gegen eine besondere Partei. Und ich komme da wieder auf den Punkt: Mehr direkte Demokratie würde auch diese Kultur ändern, indem die Parlamentarier sachbezogen auf mehrheitsfähige Entscheidungen bedacht wären.

Übrigens das Foto ist von mir; ich habe es gemacht, nachdem zu Beginn sich rund um den Tisch in allen „Fraktionen“ die Arme mit den Smartphones im Anschlag gehoben haben (für einmal einträchtig), und man „Facebook“, „Twitter“ etc. im Gemurmel hören konnte. Eine plötzlich herein stürzende Fotografin (in der Tat ein wenig überraschend) hat schnell eine Rüge und ein Fotografierverbot erhalten. – Ob ich dafür noch nachträglich verwarnt werde?

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2 Kommentare

  1. Stefan Bauer

    Ja, ist schon interessant – auch wenn man im Prinzip bereits weiß, dass es so ist. Es ist doch nochmal anders, wenn es durch Beobachtung bestätigt wird. Würde sich was ändern, wenn öfter Beobachter von aussen dazu kämen?

  2. Ich glaube sogar, dass es die Dynamik noch verstärken würde. Die Beratungen im Parlament bzw. eben auch in den öffentlichen Ausschüssen sind eben auch immer öffentliches Schaulaufen (zumindest vor den Medien, die oft da sind), und darum hört man (oft?) in den Parlamenten permanenten Wahlkampf.
    Die Alternative, die Sitzungen nicht öffentlich zu machen, ist wiederum auch nicht attraktiv. – Ich denke auch da, dass verstärkte Wahrnehmung der Parlamentarier als Einzelpersonen (jenseits von Parteizugehörigkeit) sich positiv auswirken könnte, also z. B. durch ein Wahlrecht, das mehr Einfluss der Bürger zulässt, oder eben auch direkte Demokratie… (wie immer…)

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